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Naemi Schmitz schreibt – und gewinnt beim Literaturwettbewerb „Claras Preis“


Was für ein großartiges Ergebnis! Was für eine tolle Leistung! Und dabei benötigte Naemi für ihre Geschichte nicht mehr als 24 Stunden und hätte sogar fast die Deadline der Abgabe (1. März 2023) „gerissen“: Um 23:58 Uhr gab sie ihrem PC den Auftrag „Senden“, wie sie mir schmunzelnd im folgenden Interview verrät.

Was hat dich motiviert, eine Geschichte zu schreiben und beim Wettbewerb „Claras Preis“ einzureichen?
Meine Schwester brachte mich auf die Idee, an dem Wettbewerb teilzunehmen, weil sie von ihm gehört hatte und weiß, dass es mein Traum ist, Schriftstellerin zu werden.
Ich habe schon viel geschrieben, und es hat mich gereizt, für den Wettbewerb, der Kurzgeschichten fordert, etwas zu schreiben, was sich an Märchen anlehnt, aber doch in der Wirklichkeit spielen könnte. Ganz konkret fand ich das Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ faszinierend: Was bringt ein Mädchen dazu, in der Kälte auszuharren und sich dem Erfrierungstod auszusetzen? Was denkt, empfindet ein Kind in einer solchen Situation? Was empfinden, tun Menschen, die dem Kind begegnen? Das waren Fragen, die ich mir stellte und die meine Erzählung überspannen.

Das klingt interessant. Um was geht es in der Geschichte?
Zu viel will ich nicht verraten. Sie wird ja in einem Band zusammen mit den anderen Preisträgergeschichten veröffentlicht. In Kürze: Die Handlung spielt im 2. Weltkrieg im Winter. Ein Mädchen lebt mit seiner Mutter auf einem Bauernhof. Die Not zwingt sie, alles zu verkaufen, schließlich auch die Ziege, die dem Mädchen gehört und die es sehr mag. Um einen Käufer zu finden, nimmt es Schlitten und Ziege und fährt talwärts in die Stadt. Unterwegs trifft es verschiedene Menschen, hilfsbereite, aber auch verschrobene Typen. Es dauert lange, bis jemand dem frierenden Mädchen die Ziege abkauft; hungrig und frierend wandert es durch den Schnee zurück, aber dann verlassen es die Kräfte und es schläft im Schnee ein.

Du hast schon viele Geschichten geschrieben. Wie entwickelst du sie denn: Sind da zuerst Figuren, Figurenkonstellationen, oder ist da eine Handlungsidee, für die du dir dann passende Figuren ausdenkst?
Ich beginne mit den Figuren und gestalte um sie herum die Handlung. Mich faszinieren Menschen, was sie denken, was sie fühlen; in sie versetze ich mich hinein. Zugleich betrachte ich sie von außen, werte sie und ihr Handeln auch als Gegenüber, wie ein Spiegel mit Kommentarfunktion. Die Figuren sind in mir präsent, wenn ich mit dem Schreiben beginne, die Handlung entsteht aus den Figuren. Manchmal ergeben sich daraus oder dabei Widersprüche oder Sackgassen; dann muss ich wieder zurück oder korrigieren. Der Vorteil bei einer Kurzgeschichte ist, dass das eben nicht notwendig ist: Sie verlangt keine innere Stimmigkeit für die Handlung, hat einen offenen Anfang und ein offenes Ende.

Gibt es so etwas wie einen imaginären Leser für dich, also Adressaten, für den oder für die du schreibst?
Nein, ich versetze mich nicht in diejenigen hinein, die meine Geschichten lesen oder lesen könnten. Das würde mich blockieren, weil ich mir Gedanken machen würde, wie die das beurteilen, was ich schreibe.

Viele Schriftsteller:innen lassen sich von ihrer Umgebung inspirieren, von Orten, an denen sie sich aufhalten. Wie ist das bei dir?
Ich kann eigentlich überall schreiben, tue das auch: Im Bett, am Schreibtisch, auf dem Balkon, im Zug. Ich lasse mich von vielen Dingen inspirieren; das ist jeweils von der Situation und meiner Stimmung abhängig.

Du hast das Ziel, Schriftstellerin zu werden, und bist – gerade auch durch den Preis und sein Renommee in der Literaturbranche – auf einem sehr guten Weg dorthin. Wenn man mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt verdienen will oder verdient, muss man sich ja grundlegend mit der Frage auseinandersetzen, warum man schreibt. Wie ist das bei dir?

Ich lese viel und ganz Unterschiedliches. Bisweilen – wie beim Märchen, das ich als Vorlage für meinen Wettbewerbsbeitrag gewählt habe – gefällt mir die Struktur, die zu erkennen ist, und ich nutze sie, um eigene Ideen umzusetzen; in anderen Fällen bin ich mit dem Handlungsverlauf nicht einverstanden und schreibe eigene Variationen. Ja, und insgesamt möchte ich diejenigen, die meine Geschichten lesen, teilhaben lassen an den Menschen, die darin vorkommen, an deren Gedanken. Gefühlen und an dem, was sie tun oder was ihnen geschieht.

Lass‘ uns abschließend in die Zukunft schauen: Glaubst du, dass Literatur im digitalen Zeitalter eine Zukunftsperspektive hat?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin sicher, dass Bücher auch weiterhin gelesen werden und wichtige Elemente unserer Kommunikation und Kultur bleiben.

(C. Tatsch)

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