80 SchülerInnen und Schüler diskutieren mit den Mitbegründern der Kinder- und Nachbarschaftsparlamente in Indien, Edwin John und Joseph Rathinam,  über die Umsetzbarkeit des Konzeptes in Schopfheim

 „Kinder und Jugendliche sind von allen gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Problemen am meisten betroffen. Daher überlegt, was ihr machen könnt, um euer Umfeld, eure Schule, euren Verein und eure Stadt aktiv mitzugestalten.“ Diese Idee war vor über 30 Jahren ein Grund für Edwin John, Kinder- und Nachbarschaftsparlamente in Indien einzuführen. In diesen Gremien werden seither gemeinsam Lösungen für gesellschaftlich relevante Themen gesucht. Durch die Parlamente konnten bereits Krankenhäuser errichtet, die Wasserversorgung in einigen Dörfern verbessert und Kinderehen verhindert werden. Die Zusammenschlüsse funktionieren in Indien nicht nur auf lokaler, sondern auch auf überregionaler und sogar nationaler Ebene.

Am Freitag, 21. November, konnten 80 SchülerInnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums die Idee dieser Parlamente kennenlernen, die sich einerseits an den Nachhaltigkeitszielen der UNO und andererseits in ihrer Arbeitsweise und Beschlussfassung an den Ideen der Soziokratie (Soziokratie = gemeinsam regieren/entscheiden) orientieren. Zusammen mit Daniela Gütlin vom Soziokratiezentrum Schweiz organisierte die Schülermitverwaltung (SMV) ein interaktives Seminar mit Edwin John und Joseph Rathinam, die bereits mehrere Bücher über die Kinder- und Nachbarschaftsparlamente verfasst haben.

Nach einer Vorstellung der Arbeitsweise der Parlamente, konnten die TeilnehmerInnen Fragen stellen und erste Eindrücke äußern. Sie interessierten sich für die konkrete Gestaltung des direkten Lebensumfeldes der Kinder und Jugendlichen und  wollten auch wissen, ob das System nicht anfällig für extreme Meinungen und Populismus sei. Die Referenten sahen diese Gefahren nicht, da im demokratischen Diskurs die unterschiedlichen Positionen immer gehört und integriert würden. Nur dann werde eine Entscheidung getroffen, wenn es von keinem der am Beschluss Beteiligten einen begründeten Einwand mehr gebe.

„Schopfheim is not India, but…” – mit diesem Gedanken leiteten die Moderatoren Saskia Straub und Johannes Peither nach dieser Fragerunde in den zweiten Teil der Veranstaltung über. Die TeilnehmerInnen diskutierten in Kleingruppen, ob und wie die Idee auch für ihr unmittelbares Umfeld (Schule, Verein, Stadt…) umgesetzt werden könne. Die Ergebnisse sind in der Schule auf Plakaten ausgestellt.

Obwohl das Seminar in englischer Sprache abgehalten wurde, diskutierten die SchülerInnen aktiv  setzten sich offen und konstruktiv mit dem Konzept auseinander. Am Ende zogen alle Beteiligten ein positives Fazit.  

(Text: Julia Lumbe)